Matthias Giese, Examensjahrgang 1986

Wenn ich an meine Altenpflegeausbildung zurückschaue mit der Frage "Würdest Du diesen Weg heute noch einmal gehen?", ist die Antwort JA!

Ja, weil die wesentlichen Fähigkeiten, die ich zur Ausübung meines Berufs benötige, so angelegt wurden, dass ich in der Praxis handlungsfähig werden konnte.

Grundlage hierfür war vor allem ein Verständnis der Vielschichtigkeit des menschlichen Wesens, das ich in mir selber fühle, im Anderen aber nicht unmittelbar wahrnehmen kann. Wenn man heute überall dem Ideal "Ganzheitlichkeit zu pflegen" nachstrebt, gibt dies doch dem Bedürfnis Ausdruck, dieser Vielschichtigkeit des menschlichen Wesens gerecht zu werden. Um dies aber zu können, bedarf es Kenntnisse, die sowohl das Physische, äußerlich Sichtbare, als auch das Seelisch-Geistige, gleichsam Verborgene, umfassen. Ich muß wissen, wie der Leib aufgebaut ist, was ihn lebendig hält und nicht zuletzt, für was er Instrument ist, bzw. sein möchte. Ein Pianist braucht sein Klavier, um der Musik Ausdruck zu verleihen. Er muß es pflegen, richtig stimmen und in Ordnung halten, soll die Musik wohl tönen. Aber auch, wenn sein Instrument hinfällig ist, bleibt all das bestehen, was ihn als Pianisten auszeichnet. Er ist mehr als sein Instrument.

Wie wir den alten Menschen pflegen, mit wieviel Geschick und Einfühlungsvermögen wir in der Lage sind, zur richtigen Zeit das Richtige zu tun, ist mit entscheidend dafür, welcher Ton in uns und unserem Lebensumfeld herrscht.

In meiner Ausbildung durfte ich auch lernen und erfahren, dass der Ton die Musik macht. So kann jede bewußt und liebevoll durchgeführte pflegerische Handlung dazu beitragen, dem wahren Wesen in uns und dem Anderen Ausdruck zu verleihen. Dies übend zu entwickeln ist eine Lebensaufgabe - mein Beruf ein Weg in die richtige Richtung.

Brigitte Hagenhoff, Examensjahrgang 1989

Im Jahr 1990 schrieb ich schon einmal eine Rückblick auf meine Altenpflegeausbildung, die ich unter der Leitung von Annegret Camps und Ada van der Star absolviert hatte, damals noch in der "Altenpflegeschule Ahrensburg" vor den Toren Hamburgs, in Schleswig Holstein. Der damalige Anlass für den Artikel war die Metamorphose dieser Schule in das Fachseminar für Altenpflege in Frankfurt.
Mittlerweile sind 10 Jahre vergangen und ich bin Studentin im Bachelor- und Masters- Studiengang "Pflegewissenschaft" an der Freien Universität Witten-Herdecke. Vor einiger Zeit fand ich meine Aufzeichnungen von 1990 wieder. Überschrift des Artikels war: Die soziale Frage - brennendes Thema unserer Zeit.Der erste Satz beginnt mit den Worten: "Soziales Miteinander...". Tenor des Textes war die Wandlung unserer Gesellschaft weg von den traditionellen Familienverbänden hin zu freiwilligen sozialen Lebensgemeinschaften, oder ins Single-Dasein. Die Frage, die sich daraus ergab: Wer trägt die Verantwortung für Hilfebedürftige und welche Qualität wird Hilfe und Pflege in diesem neuen "Sozialen Miteinander" haben?
Der damals sich abzeichnende gesellschaftliche Strukturwandel ist inzwischen fast abgeschlossen. Heute errichten wir an unserer Uni einen Lehrstuhl für "Familenorientierte Pflege". Gemeint sind dabei neben den traditionellen Familien auch die modernen Lebensformen. Und die Frage nach der Qualität ist ja heute auch in Aller Munde. Keine Institution oder Firma ohne Qualitätsentwicklung.

Seit 1995 gibt es das Pflegeversicherungsgesetz, das die Familien und die Eigenverantwortlichkeit in den Mittelpunkt rückt - aus dem Blickwinkel des "Sozialen Miteinanders", der "Sozialen Verantwortung" (noch ein Schlagwort) oder nur aus Kostengründen? Tatsache ist, seitdem gibt es den "Kunden"begriff in der Pflege und eben auch in der Altenpflege. Für das Berufsverständnis hat  das eine ein schneidende Wirkung. Heute sprechen wir von professioneller Pflege. Dahinter verbirgt sich mehr Autonomie der Pflegenden. Professionell Pflegenden brauchen nicht nur Fachwissen, Organisationstalent, sondern müssen auch soziale Kompetenzen mitbringen.
Würde ich heute noch einmal die Altenpflegeausbildung machen? Und dann gerade diese?
Meine Antwort: Ein eindeutiges Ja, ich würde - gerade heute - und gerade diese! Warum ? Damit "soziale Verantwortung" nicht nur ein politisches Schlagwort ist,und weil ich Professionalität mit Inhalten gefüllt sehen möchte. Wir - meine Generation und auch die Nachfolgende - stehen in der Verantwortung, in der sozialen. Wir lernen und arbeiten nicht für die jetzigen alten Menschen, sondern für uns.
Vor 10 Jahren beschrieb ich Altenpflege als einen persönlichen Schulungsweg. Oder moderner ausgedrückt: als einen Weg zur Selbstverwirklichung.
Das hat sich bestätigt, so daß ich es heute mit Nachdruck wiederholen kann: In jeder Begegnung mit alten und pflegebedürftigen Menschen lernte und lerne ich ein Stück von mir Selbst kennen. Eine Voraussetzung für die Entwicklung der sozialen Kompetenz. Dazu müssen jedoch auch die Sinne geschärft werden, die Wahrnehmungsorgane geöffnet werden - ein lebenslanger Prozess. Der Grundstock dafür war und ist meine Ausbildung. Auf diesem Fundament kann ich noch heute an der Universität sicher aufbauen. Gedanken, die damals als Keim gelegt wurden,gehen jetzt auf und tragen Früchte. Das gibt mir den Mut, hinter dem "Kunden" immer wieder den individuellen Menschen zu sehen und mit ihm im "Sozialen Miteinander" "Soziale Verantwortung" zu tragen.
Meine These ist: Altenpflege ist der Beruf der Zukunft. Er ist das Gegengewicht zu der zunehmenden Vereinzelung. Er ist die praktische Auseinandersetzung mit den heute diskutierten ethischen Fragen. Alte Menschen kann ich nur pflegen, wenn ich bereit bin, die Brücke der Zwischenmenschlichkeit zu betreten. Doch dann.... eröffnen sich ungeahnte Möglichkeiten! Das Leben ist eben lebendig und will gelebt werden.
Altenpflege heute ist ein schwerer Beruf. Es ist aber auch hier wie mit Allem im Leben: Nur das Geliebte kann Leid erzeugen.
Altenpflege ist eine Herausforderung. Diese zu ergreifen, lohnt sich!
Zum Schluß ein Ausspruch von Konfuzius: "Wer neu anfangen will, soll es sofort tun, denn eine überwundene Schwierigkeit vermeidet hundert neue."

Monika Reusch Examensjahrgang 1997

Ich habe mein Examen als Altenpflegerin im Jahr 1997 gemacht.
Mit fast 50 Jahren hatte ich mich nach langen Überlegungen entschlossen, noch einmal einen ganz neuen Beruf zu erlernen.
Ich wollte Kontakte mit Menschen und die nüchterne Welt am Computer hinter mir lassen. Man empfahl mir damals die Altenpflegeausbildung im Fachseminar für Altenpflege im Haus Aja Textor-Goethe.
Für mich ist diese Einrichtung eine Stätte der Begegnung geworden. Hier werden die Menschen mit allen ihren Facetten geachtet. Künstlerische und kulturelle Aktivitäten erweitern den Horizont, die Anthroposophie regt an zum Nachdenken.
Seit dem Examensabschluss arbeite ich bei Melissa, dem ambulanten Pflegedienst des Hauses. Ich habe bisher keinen Tag bereut.

Diana Curic Examensjahrgang 1998

Meine Altenpflege-Ausbildung habe ich im Jahr 1996 begonnen. Als ich mich damals für diesen Beruf sehr interessierte, ging ich zum Arbeitsamt und informierte mich über Altenpflegeschulen. Darauf hin bewarb ich mich an verschiedenen Stellen. Aber das Fachseminar für Altenpflege war zu diesem Zeitpunkt nicht dabei. Warum die Ausbildung dann doch im Fachseminar?

Öftere Besuche bei einer Bekannten führten mich immer wieder am Haus Aja Textor-Goethe vorbei. Die außergewöhnliche Architektur und verschiedene Farben weckten die Neugier in mir. Ich ging noch einmal zum Arbeitsamt, um  mir Informationen über dieses Haus zu besorgen, nachdem ich dort drinnen einen Hinweis auf die Schule entdeckt hatte. Auf meine Bewerbung hin wurde ich zu einem persönlichen Vorstellungsgespräch eingeladen. Dort teilte man mir die Ideen und Werte dieses Hauses mit. D.h. den Menschen als Ganzes zu sehen. Dies beeindruckte mich sehr, so daß ich mich endgültig für die Ausbildung zur Altenpflegerin im Fachseminar entschieden habe.

Diese Entscheidung habe ich bis heute nicht bereut.

Anna Aydemir Examensjahrgang 2009

Ich habe dieses Motto gewählt, weil es Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft miteinander verbindet. Erinnerungen, meine persönlichen Lebensabdrücke, haben mich zu dem Schritt bewegt, die Ausbildung zu beginnen.
Ich könnte es Schicksal nennen, dass ich meine Arbeit im Grünhof im Park begann, denn durch diesen lernte ich auch das Fachseminar kennen und mit diesem wiederum, lernte ich neue Seiten an mir und neue Freunde an meiner Seite kennen.
Es ist wie ein Kreis, der sich langsam schließt, um dann in einen neuen überzugehen.
Bildlich gesehen, würde hier eine Lemniskate entstehen: Das Symbol der Unendlichkeit; für mich das Symbol, dass dieser Beruf so unendlich viel bietet, dass ich mein Leben lang lernen werde.
Das Ende der Ausbildung, welches immer mehr in greifbare Nähe rückt, bedeutet einen neuen Anfang, eine neue Perspektive, einen neuen Schritt, den ich gehen werde. Mein persönlicher Schlüssel für neue Perspektiven, aufgebaut auf meinem Leben und meinen Erfahrungen.

Manfred Sirch, Examensjahrgang 2012

Immer wieder bin ich gefragt worden, warum ich meine Ausbildung zum examinierten Altenpfleger nicht in Mannheim gemacht habe, also an dem Ort, wo ich wohne und den praktischen Teil meiner Altenpflegeausbildung mache. Diese Frage stellte ich mir besonders 2009, am Beginn dieser Ausbildung. Wenn ich dabei nur an die Zeit- und Geldersparnis gedacht hätte, wäre der Schritt täglich nach Frankfurt zu fahren bzw. in Frankfurt zu wohnen, nicht logisch gewesen.

Mir war es aber wichtig, eine ganzheitliche Ausbildung zu besuchen. Eine Ausbildung, die den (alten) Menschen auch in seinen seelisch-geistigen Aspekten wahrnimmt. Darüber hinaus wollte ich auch an meiner eigenen Entwicklung weiter arbeiten. Neben den notwendigen fachbezogenen Fächern, wie z.B. Pflege, Anatomie und Krankheitslehre, werden am Fachseminar auch Fächer, wie Eurythmie, Singen oder Plastizieren gelehrt, die mir Gelegenheit zum Wachstum gegeben haben und aufzeigten, wo sich meine Stärken und Schwächen befinden.

Sollte mein Weg nach dem Examen jenseits eines pflegerischen Berufes weitergehen, dann wäre diese Ausbildungszeit doch keine "verlorene" Zeit. Vielmehr wurden mir wichtige Einsichten geschenkt, die mich bei meiner Persönlichkeitsentwicklung weiter bringen und die mir helfen meinen Weg zu gehen.

Martin Lemperle, Examensjahrgang 2011

Die Ausbildung am Fachseminar für Altenpflege (FSA) war ein Glücksfall für mich. Im Alter von 33 Jahren ermöglichte sie mir den Einstieg in eine äußerst spannende, und für mich neue und faszinierende Welt. Ich arbeite jetzt als Pflegekraft in einem Hospiz.

 

"Das Beherrschen der Technik ist nicht die Hälfte wert in diesem Beruf, wenn ich mich nicht als Mensch einbringen kann."

Und genau hier setzt die anthroposophische Ausbildung zur Altenpflege an. Individuell persönlichkeitsfördernd.  Herausfordernd. Den Blick schärfend. Kompetenzen schulend. Sie forderte mich auf, meine Sicht auf bestimmte Dinge zu prüfen, zu hinterfragen und mich mit mir selbst auseinanderzusetzen.

 

Grenzerfahrungen. In der Pflege alltäglich. Wie gut und hilfreich ist es doch, darauf vorbereitet zu werden, echte Entscheidungen treffen zu müssen und können, hinter ihnen zu stehen, und sie vor sich, und anderen zu begründen.

Ich erinnere mich an wertvolle Aussagen dazu von Ada v. d. Star, meiner damaligen Lehrerin.

Pflege berührt häufig moralische, ethische, menschliche und rechtliche Bereiche. "Sie ist eigentlich eine permanente Frechheit". Aber es gibt auch so viele Möglichkeiten, Qualität zu schaffen. Wie z.B. sich auf die sprichwörtliche Augenhöhe mit dem zu pflegenden Menschen zu begeben und Grenzen von Funktion und Menschsein bewusst aufzulösen: Am Tisch oder Bett - beim gemeinsamen Essen.

Was hat mir die Ausbildung konkret gebracht? Grundlagen. Und außerhalb des Sammelns von Wissen, Technik und deren Anwendungen vielleicht ein Gespür für den Moment und den angemessenen Stellenwert der Gegenwart im Umfeld alter Menschen zu entwickeln: "Was braucht der Mensch jetzt? Was nicht? Was hat Priorität? Wo stehe ich? (im Sinne von E. Schützendorf); Wie nutze ich die wenige Zeit im Sinne von wesentlicher Qualität und Begegnung? Wo beginnt- und wo endet der Handlungsspielraum?" Auch "Nichts-Tun" ist eine Handlung. Viel Ausprobieren. Künstlerischer Unterricht. Experimentieren. Verbindungen von "Kopf-Herz-Bauch-Hand" herstellen. An Prozessen sozialer Entwicklung teilhaben, und sie beobachten dürfen.

Pflegerisch stehen für mich die Waschungen und Rhythmischen Einreibungen am FSA exemplarisch für die aufgezeigten Möglichkeiten, eine pflegerische Handlung mit dem entsprechenden "know-how" im besten Fall gleichzeitig auf allen Ebenen des menschlichen Spektrums einzusetzen.

Oder einfacher ausgedrückt: Eine äußere Reinigung kann alle Ebenen erreichen. Und dabei wird dann vielleicht auch eine ganz ursprünglich menschliche Verbindung hergestellt.

Aber auch in der Erkenntnis, dass Menschen eigentlich sehr wenig voneinander trennt - uns jedoch immer Individualität und einmalige Geschichte, auch, und gerade hinter der "Altersphysiognomie" begegnet. Dies erfuhr ich als einen absolut mit Leben durchdrungenen Aspekt der anthroposophischen Pflege.

Die "Waschrichtungen" als praktische Grundlage geben Sicherheit. Und sie schaffen, wenn sie in "Kopf- Herz und Hand" übergegangen sind, Raum für übergeordnete Interaktionen in der Begegnung. Und sie funktionieren.

 

Das anthroposophische Verständnis in der Ausbildung zog sich für mich stringent als roter Faden durch die unterschiedlichsten Lernfelder. Das fand ich konsequent und gut. Die Verbindung zwischen Theorie und der Praxisbegleitung nahm ebenfalls einen hohen Stellenwert ein. Jetzt fange ich an, davon zu profitieren.

Die frühen Erfahrungen in der Pflege sind, denke, ich, prägend. In diesem Sinne bin ich äusserst dankbar, das FSA kennengelernt zu haben.